Raus aus der Tabuzone – Harninkontinenz

Ein großes Tabuthema, worüber keiner wirklich reden mag, gerade wenn man selber davon betroffen ist. Inkontinenz. Das Problem: Menschen mit Stuhl- oder Blasenschwäche ertragen lieber die extremen Einschränkungen im Alltag, als ihre Beschwerden öffentlich zu machen.

Inkontinenz ist die mangelnde Fähigkeit die Blasen- und Darmfunktion zu kontrollieren. Somit kommt es zu unwillkürlichen Abgang von Urin oder Stuhlgang, was neben der körperlichen Belastung auch zu einem psychischen Druck führen kann.

Allein in Deutschland sind etwa 10 Millionen Menschen von Inkontinenz betroffen. Weltweit sind laut offiziellen Angaben etwa 200 Millionen Menschen betroffen.

Bis zu 25 Prozent der Frauen in Deutschland sind inkontinent. Unter Frauen ist Harninkontinenz die verbreitetste chronische Krankheit. Noch vor Hypertonie, Depression und Diabetes. Im Vergleich dazu sind Männer weniger häufig betroffen – 11 Prozent aller Männer in Deutschland.

Stuhlinkontinenz ist vergleichsweise nicht ganz so weit verbreitet. Nichtsdestotrotz zählen 3,3 Millionen Menschen in Deutschland als stuhlinkontinent. Unter den Bewohnern einer Pflegeeinrichtung sind durchschnittlich 60 Prozent harninkontinent und 24 Prozent stuhlinkontinent.

Inko Statistiken

Es gibt verschiedene Formen von Inkontinenz (Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz, Mischinkontinenz, Überlaufinkontinenz, Extraurethrale Inkontinenz, Supraspinale und spinale Reflexinkontinenz). Diese unterschiedlichen Formen benötigen individuelle Versorgungen. Bei so vielen verschiedenen Formen der Inkontinenz, gibt es mindestens genauso viele mögliche Ursache dafür. Zum Verständnis gilt Inkontinenz nicht als eigenständige Krankheit. Vielmehr spricht man von einem Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Das Auftreten der Inkontinenz resultiert demnach aus anderen Erkrankungen oder Störungen.

Die Belastungsinkontinenz oder auch Stressinkontinenz genannt, wird durch ein Druckempfinden im Bauch ausgelöst, das durch einfaches Niesen, Husten, Pressen oder schweres Heben entstehen kann. Bei Frauen kommt diese Form der Inkontinenz häufiger vor als bei Männern. Möglicherweise liegt eine Schwächung der Beckenbodenmuskulatur als Ursache vor, die beispielsweise aus Schwangerschaft, Entbindung, Unfälle, Operationen oder Entzündung der Prostata resultiert.

Eine gesunde Blase kann Urin über einen längeren Zeitraum problemlos speichern. Das funktioniert, weil Gehirn, Nerven, Rückenmark und Blase perfekt miteinander zusammenarbeiten. Doch schon Kleinigkeiten können den empfindlichen Kreislauf stören. Das würde zu einer Reizblase (Dranginkontinenz) führen. Hier verspürt der Betroffene bei geringen Füllmengen, dass die Blase voll ist und entleert werden muss. Neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, aber auch unbehandelte Diabetes sind oftmals die Ursache.

Eine gesunde Lebensweise steht bei Therapien gegen eine Reizblase besonders im Mittelpunkt. Medizinische Forschungen fanden heraus, dass Inkontinenz und starkes Übergewicht in Verbindung stehen. Ebenso ein sogenanntes Blasentraining kann unterstützend wirken.

Die Mischinkontinenz ist eine Kombination aus der Belastungsinkontinenz und der Dranginkontinenz. Verschiedenartige Ausprägungen der Symptome beider Formen erschweren dabei das Leben der Betroffenen. Diese Misch-Harninkontinenz wird nach verschiedenartigen Schweregraden eingestuft. Liegt eine schwere Belastungsinkontinenz vor, geht selbst ohne körperliche Anstrengungssituationen Urin ab.

Es ist möglich, dass die Symptome ebenso durch psychische Aspekte auftauchen, sodass keinerlei körperliche Ursachen gefunden werden können. Bei solch einem Fall wird häufig zu einer Verhaltens- oder Gesprächstherapie geraten.

Um selber im Alltag gegen Inkontinenz gegenzusteuern und sich besser zurechtzufinden und wohlzufühlen, gibt es verschiedene Alternativen. Planen Sie ihre WC-Gewohnheiten sinnvoll und überdenken Sie Ihre Toilettengewohnheiten. Bemühen Sie sich regelmäßig zur Toilette zu gehen, aber auch nicht zu oft, damit sich die Harnblase an bestimmte Gewohnheiten halten kann.

Führen Sie ein Blasentagebuch für eine genauere Dokumentation und Beschreibung, um Behandlungen besser anzupassen und an einen noch besseren Erfolg zu arbeiten. Vorlagen hierfür können Sie im Internet auf verschiedenen Websites oder als App beim Smartphone herunterladen.

Trainieren Sie Ihren Unterleib und stärken den Beckenboden durch verschiedene Beckenbodentrainingseinheiten. Eine Gewichtsreduktion kann ebenso die Harnblase entlasten. Achten Sie vor allem auf eine ausgewogene, gesunde und ballaststoffreiche Ernährung. Trotz Inkontinenz müssen Sie ausreichend viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Betroffene gehen dem oft aus dem Weg, vermeiden und reduzieren die Flüssigkeitszufuhr, doch genau das fördert aber die Intensität der Inkontinenz. Außerdem können Sie sich über neue Therapiemöglichkeiten bei Inkontinenz informieren.

Bei uns im Sanitätshaus Tingelhoff sowie in unserem Online Shop bieten wir Ihnen eine große Auswahl an Möglichkeiten zur Inkontinenzversorgung. Gerne beraten Sie unsere speziell geschulten Fachkräfte über individuelle Versorgungsmöglichkeiten umfangreich und diskret in unserer Home Care Abteilung. Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

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