Therapiemaßnahmen bei Venenleiden

Das allgemeine gesundheitliche Problem bei Venenleiden haben wir in einem vorhergehenden Artikel bereits thematisiert und möchten nun auf die möglichen Therapiemaßnahmen, wie Operation oder Kompression eingehen. Die Venen haben die Aufgabe das sauerstoffarme Blut zum Herzen zu pumpen, damit es dort wieder mit Sauerstoff und Nährstoffen angereichert werden kann. Da der Pumpprozess entgegengesetzt der Schwerkraft abläuft (von den Beinen hoch zum Herzen), gibt es Ventile, und zwar die unterstützend wirkenden Venenklappen.

Sie verschließen nach dem Pumpmechanismus, wodurch das Blut nicht zurückfließen kann. Wenn eine Venenschwäche vorliegt, dann verschließen diese Klappen nicht mehr richtig, auf Grund von ausgeleierten und ausgedehnten Venen. Das Blut bleibt somit in den Beinen zurück.

Es existieren verschiedenste Methoden, um Venenleiden zu behandeln.
Dazu zählen sowohl konservative Maßnahmen als auch Operationen. Welche Strategie optimal ist, hängt von dem Krankheitsbild und dem Patienten ab und wird individuell von einem Phlebologen bestimmt. Ein Phlebologe ist ein Venen- und Gefäßspezialist. Nach den Untersuchungen durch Ultraschall, Kontraströntgen und Begutachtung kann die Behandlung definiert werden.

Kompression – Basistherapie bei Venenleiden

Als Basistherapie werden häufig Kompressionsstrümpfe verschrieben. Die Kompressionsstrümpfe werden in unterschiedliche Stärken (Klassen) eingeteilt. Welche Kompressionsklasse notwendig ist entscheidet der behandelnde Arzt. Durch Venenschwäche entsteht ein großer Druck an den betroffenen Gefäßen. Dieser Druck schädigt das umliegende Gewebe und Flüssigkeit tritt aus. Deshalb muss von außen ein Gegendruck einwirken. Diesen Druck erzeugt man über die Kompressionstherapie mit Kompressionsstrümpfen/orthopädischen Strümpfen. Das geschädigte Venen- oder Lymphsystem wird unterstützt, in dem die Strümpfe einen definierten Druck ausüben. Dadurch wird der Flüssigkeitseinstrom aus den Gefäßen in das Gewebe reduziert. Die Blutgefäße werden durch den Druck zusammengedrückt, so dass die Venenklappen wieder schließen können. Zudem erhöht sich durch den von außen einwirkenden Druck die Geschwindigkeit, mit der das Blut zum Herzen fließt.

Vor dem Anlegen des Strumpfes muss das Bein durch Hochlagerung entstaut werden, da der Strumpf keine aktive Entstauung vornimmt. Der Strumpf wirkt mit einem von unten nach oben abnehmenden Druck. Also am Knöchel wird mehr Druck über den Strumpf ausgeübt als am Oberschenkel.  Der Druck ist je nach Klasse unterschiedlich stark.
Vier Klassen gibt es insgesamt. Klasse 1-3 sind für den Rundstrickbereich und Klasse 4 gilt ausschließlich für den Flachstrickbereich. Die Klassen werden wie folgt unterschieden:

  • CCL-1 ist die leichteste Klasse mit leichter Kompression. Der Druck in der Fesselgegend misst 18,4-21,2 mmHG[1].
  • Strümpfe der Klasse CCL-2 üben die mittelkräftige Kompression aus. Der Fesseldruck beträgt 25,1-32,1 mmHG.
  • Die kräftige Kompression wird mit Strümpfen der Klasse CCL-3 erreicht. Bei diesen Strümpfen herrscht ein Druck von 36,4-46,5 mmHG in der Fesselgegend.
  • Letztendlich gibt es noch CCL-4, die stärkste Kompressionsklasse. Bei schwerwiegenden Schäden, Lymphödemen oder elephantiastischen Zuständen[2] wird diese Klasse mit einem Druck von über 49 mmHG in der Fesselgegend verordnet.

Für jeden und jedes Outfit kann man individuelle Strümpfe nutzen. Es gibt die Strümpfe in knielang (AD), oberschenkellang (AG) und als Strumpfhose (AT) jeweils für beide Geschlechter. Männer wie Frauen können aus der Vielzahl an Varianten wählen. Anders als früher kann man die Strümpfe mittlerweile in allen Trendfarben und Modellen erhalten. Von roten, halterlosen Strümpfen mit Spitze bis hin zu den neutralen, beigen, knielangen Strümpfen.

Wichtig ist noch die Unterscheidung zwischen flachgestrickten und rundgestrickten Strümpfen.

Rundgestrickte Strümpfe werden auf einem runden Zylinder hergestellt. Die Maschenanzahl ist in jeder Reihe identisch und sie sind nahtlos. Die Form und Größe der Kompressionsstrümpfe wird über die variable Maschengröße und die Vorspannung des Fadens bestimmt. Dadurch haben die rundgestrickten Kompressionsstrümpfe eine hohe Dehnbarkeit und sind elastisch. Es gibt sowohl Maßanfertigungen, als auch Seriengrößen. Sie entfalten ihre Wirkung auch im Sitzen und im Stehen, sie üben einen hohen Ruhedruck aus. Der Druck nimmt von unten (Knöchel) nach oben (Knie/Oberschenkel) hin ab.
Die Rundstrickstrümpfe, ohne Naht, werden vor allem zur Therapie von venösen Erkrankungen oder leichten Ödemen genutzt. Dafür sind diese Strümpfe optimal geeignet, durch den niedrigen Arbeitsdruck und die Dehnbarkeit der Strümpfe.

Anders sind die flachgestrickten Strümpfe. Sie werden nach Maß angefertigt  und sind längs in einer Reihe gestrickt. Mit einer flachen Naht werden die Strümpfe geschlossen. Die Form erhalten die Kompressionsstrümpfe durch zu- und abnehmen von Maschen. Der Faden ist einheitlich vorgespannt. Dadurch erhalten die flachgestrickten Strümpfe eine hohe Stabilität und geringe Dehnbarkeit. Der Druck wird flächig und konstant ausgeübt, wodurch die beste Wirkung bei Bewegung erzielt wird. Durch die Möglichkeit die Maschenanzahl zu variieren, können die Rundstrickstrümpfe ideal auf den Träger angepasst werden.
Der hohe Arbeitsdruck und die geringe Dehnbarkeit können einen höheren Druck auf das Gewebe ausüben und werden zur Behandlung von mittelschweren bis starken Ödemen, Lip- und Lymphödemen, sowie adipösen Umfängen eingesetzt. Da der Flachstrickstrumpf flächiger auf dem Gewebe liegt, wird ein Einschnüren verhindert.

Operationen – nicht nur ein kosmetischer Effekt

Zusätzlich zum Tragen der Kompressionsstrümpfe kann ein operativer Eingriff notwendig sein. Neben den medizinischen Effekten, die eine Operation mit sich bringt, geht es dabei um den kosmetischen Nutzen, dass die unschönen Krampfadern und Besenreiser verschwinden.

Das Standardverfahren zur operativen Entfernung von Krampfadern ist das „Stripping“. Hierbei werden die Krampfadern gezogen. Dafür wird ein Schnitt an der Innenseite des Knies gemacht, wodurch ein Katheter bis zur beschädigten Vene eingeführt wird. Dann wird die Vene abgetrennt und herausgezogen. Umliegende Gefäße werden die Arbeit der entfernten Vene übernehmen.

Dieses Verfahren wird schon seit den frühen Jahren des 20 Jahrhunderts angewendet und hat sich bisher bewährt.

Mittlerweile gibt es neuartige Methoden. Die kranken Venen können durch eine endovenöse Behandlung unschädlich gemacht werden. Dabei wird die Vene lediglich durch eine Laserbestrahlung erhitzt und  verödet, ohne die Vene zu entfernen. Der Körper baut durch sein eigenes Umbausystem die abgestorbene Vene ab. Für dieses Verfahren werden keine Narkose und kein Schnitt benötigt. Allerdings sind die Langzeiterfolge noch nicht ausgiebig getestet.

Zudem gibt es noch weitere Möglichkeiten, die wir hier kurz aufführen:

  • Das Trivex-Verfahren: Hier wird durch Licht unter der Haut die betroffene Vene sichtbar gemacht und mit einer Rottier-Klinge entfernt
  • Die Chiva-Methode: Der Blutstrom über die geschädigte Vene wird unterbrochen und umgeleitet.
  • Das Bandaging: Die zu weit ausgedehnte Vene, mit den nicht mehr funktionsfähigen Klappen, wird geflickt. Durch das Zusammennähen der Venen werden die Venenklappen aneinander angenähert und können ihrer Aufgabe, dem Verhindern vom Blutrückfluss, wieder nachgehen.

[1] mmHG ist das Einheitszeichen für Millimeter Quecksilbersäule, der Maßeinheit des Druckes

[2] Elephantiastische Zustände: schwerste Form eines Lymphödems. Äußert sich durch Hautveränderungen, starke Schwellungen, verhärtetes Gewebe.

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