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Die moderne Oberschenkelprothese: Mit beiden Beinen fest im Leben

Dass eine Oberschenkelamputation im wahrsten Sinne des Wortes einen starken Einschnitt in das Leben von Betroffenen darstellt, muss nicht extra erwähnt werden. Dass man auch nach der Amputation ein durchaus aktives Leben führen kann, eigentlich auch nicht – was aber eine moderne Prothesenversorgung tatsächlich alles ermöglichen kann und was die neueste Generation an Oberschenkelprothesen an wiedergewonnener Mobilität und Lebensqualität verspricht, möchten wir uns heute einmal genau anschauen.

Zu diesem Zweck haben wir unsere Orthopädietechnik besucht, eine der Kernabteilungen des Sanitätshauses Tingelhoff, in der knapp dreißig Orthopädietechniker, Lymphtherapeuten und andere Experten aus technischen und kaufmännischen Gesundheitsberufen tätig sind und Versorgungen rund um Bandagen, Orthesen und Prothesen ermöglichen und durchführen.

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Den Kunden auf Schritt und Tritt begleiten

Heute begrüßt unser zuständiger Orthopädietechnikermeister unseren langjährigen Kunden Marco Kaupmann aus Bergkamen. Nach mehreren Terminverschiebungen soll es an diesem Tage nämlich endlich so weit sein: Der 45-Jährige, der in einem Altenheim in der Hauswirtschaft tätig ist, soll nach sieben Jahren eine neue Oberschenkelprothese erhalten. Die bisherige Prothese weist inzwischen einige Verschleißspuren auf: Insbesondere lässt die Akkuleistung nach, davon abgesehen ist der Funktionsumfang dieses älteren Modells längst nicht mehr auf Höhe der Zeit. Und da Versicherten ohnehin regelmäßig eine neue Versorgung seitens der Krankenkasse zusteht, war es an der Zeit, eine neue Prothese zu beantragen. Nach intensiver Beratung fiel die Wahl auf das Modell C-Leg des Herstellers Ottobock – eine innovative Beinprothese, die inzwischen in vierter Generation auf dem Markt ist.

Das Sanitätshaus Tingelhoff war bei der Beantragung dieser Leistung natürlich gerne behilflich. Glücklicherweise kam der Antrag ohne Probleme durch und die Prothesenversorgung – immerhin beträgt der Preis eines solch hochwertigen Prothesenmodells um die 40.000 Euro – wurde rasch genehmigt. Das ist nicht immer selbstverständlich und es kann sogar vorkommen, dass Versorgungen seitens des Kostenträgers abgelehnt werden: „In einem solchen Fall legen wir dann Widerspruch ein, woraufhin eine Versorgung dann letztlich meist doch ermöglicht wird“, weiß unser Meister aus Erfahrung.

Das C-Leg aber ist nun bewilligt und auch bereits an Herrn Kaupmanns Oberschenkel angepasst – seine Werte und Maße lagen ohnehin bereits vor: Erst im letzten Jahr stand er unserem Kollegen als „Testobjekt“ für dessen Meisterprüfung zur Verfügung. Das hat einerseits den Vorteil, dass seine Maße noch sehr aktuell sind, und andererseits den schönen Nebeneffekt, dass Kunde und Kollege sich bereits seit längerer Zeit kennen und einander vertrauen. Vertrauen ist gerade bei einer solchen Versorgung ein besonders wichtiges Stichwort, allerdings hat die kompetente, freundliche Betreuung durch die KollegInnen aus der Orthopädietechnik Herrn Kaupmann nie daran zweifeln lassen, dass er mit dem Sanitätshaus Tingelhoff den richtigen Partner gewählt hat.

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Technische Fortschritte

Natürlich muss er sich jetzt aber zunächst noch eine Weile an die neue Prothese gewöhnen – immerhin ist sie mit circa neun Kilogramm insgesamt wesentlich leichter als das alte Modell und das Laufgefühl auf den neuen Karbonfedern ein anderes. Darüber hinaus sind noch Feinjustierungen seitens der Orthopädietechnik vorzunehmen, die nicht nur mechanischer Natur sind. Was selbst dem Laien sofort auffällt, ist die digitale Komponente:

Das C-Leg kommuniziert via integriertem Bluetooth mit anderen Endgeräten und zahlreiche patientenspezifische Einstellungen müssen vorab vom Orthopädietechniker am Rechner vorgenommen werden. Eine kabellose Verbindung zwischen Herrn Kaupmanns neuem Kniegelenk und dem PC wird dabei mit dem sogenannten „Bionic Link“ hergestellt, einem kleinen Bluetooth-Adapter, über den die Datenkommunikation schnell und sicher abgewickelt wird. Die notwendigen Daten sind dann vom Fachmann über eine Eingabemaske einzupflegen: Körpergewicht, Fußtyp und -größe sowie die Amputationshöhe sind nur einige der Werte, die das C-Leg benötigt, um ein möglichst natürliches Gangbild für Herrn Kaupmann zu errechnen. Auch der optimale Flexionswiderstand wird vorab vom Orthopädietechniker ermittelt und eingestellt.

Danach kann Herr Kaupmann seine Oberschenkelprothese ganz bequem über eine Handy-App steuern. Diese nennt sich „Cockpit“ und lässt den Anwender verschiedenste Funktionen einstellen, unter anderem unterschiedliche zuvor installierte Bewegungsmodi (die sich aber auch „analog“ ein- und ausschalten lassen, etwa indem man viermal hintereinander auf der Fußspitze der Prothese wippt) und Widerstände. Ein Schrittzähler ist ebenfalls vorhanden und auch der Akkustand kann jederzeit abgerufen werden, sodass dieser immer im Blick ist, ohne dass das Bein erst an den Rechner angeschlossen werden muss. Ist das Handy mal nicht zur Hand und sinkt der Akkustand unter eine gewisse Grenze, informiert das C-Leg den Nutzer übrigens zusätzlich per Alarmton und Vibration.


Mehr Mobilität, mehr Lebensqualität

Kein Zweifel: Der Funktionsumfang des C-Leg kann sich durchaus sehen lassen! Mehr – und vor allem sicherere – Mobilität ist hier garantiert. Anwender können sich auch auf schwierigen Untergründen wie Waldboden, Sand oder Kies entspannt bewegen und lockeres Stehen mit leicht gebeugtem Kniegelenk – für nicht körperlich eingeschränkte Menschen völlig normal, mit weniger ausgereiften Prothesen kaum machbar – ist intuitiv möglich. Darüber hinaus sorgt eine Sitzfunktion für eine entspannte Haltung, denn das Kniegelenk schwingt nach dem Hinsetzen frei.

Weitere Beinpositionen und Kniestellungen sind möglich, die auch verschiedene Sportarten durchführbar machen, etwa Skifahren, Rodeln, Langlauf oder sogar ausgefallenere Freizeitaktivitäten wie Westernreiten. Integrierte Mikroprozessoren berechnen dabei jeden Schritt und Sensoren messen permanent, in welcher der acht Phasen des Gehens sich ein Anwender gerade befindet. Ferner verfügt die Prothese über einen Stolperschutz: Stößt der Anwender gegen ein Hindernis, stellt sich das Knie steif und die Prothese prallt, anders als bei anderen Modellen, nicht zurück. Dies ist ein großer Sicherheitsvorteil. „Solch ein Feature hat kein anderes Knie auf dem Markt“, so unser Mitarbeiter. Besonders freut sich Herr Kaupmann aber aufs Fahrradfahren: Seit Juni 2007, als er aufgrund von Morbus Winiwarter-Buerger, einer Gefäßentzündung in den Arterien, die das Absterben von Zellgewebe bewirken kann, sein Bein verlor, hat er nicht mehr im Sattel gesessen. „Das hat mir schon gefehlt und es wäre schön, wenn das wieder klappen würde.“ Unser Kollege ist da sehr zuversichtlich: Das C-Leg ist praxiserprobt und mit ein bisschen Übung wird auch das Radfahren gewiss gelingen.

Mit der neuen Oberschenkelprothese wird für Herrn Kaupmann also vieles wieder möglich werden, was ihm vorher aufgrund von eingeschränkter Mobilität versagt blieb. Einzig schwimmen gehen wird er mit diesem C-Leg nicht können. Die Prothese ist spritzwassergeschützt und kann mit Süßwasser gereinigt werden, ist jedoch nicht wasserdicht. Dabei gibt es durchaus auch wasserfeste Prothesen: Zu jeder „regulären“ Prothese muss die Krankenkasse im Prinzip auch eine gleichwertige wasserfeste Prothese genehmigen. Solche können etwa am Strand getragen werden oder sogar beim Duschen. Rein gesetzlich muss es dem Prothesenträger ermöglicht werden, wieder annähernd in den körperlichen Zustand versetzt zu werden, in dem er sich vor seiner Verletzung befunden hat. Jüngeren Patienten, die fit sind, und auch vor der Amputation fit waren, steht demnach eine höherwertige Versorgung zu – so wie bei Herrn Kaupmann. Zukünftig mit seiner Oberschenkelprothese das kühle Nass zu genießen, liegt für ihn also durchaus im Bereich des Möglichen.

Oberschenkelprothese 2
Alles Weitere? Einstellungssache.

Abschließend sind noch Kleinigkeiten zu klären – wie gesagt muss Herr Kaupmann sich erstmal an die neue Oberschenkelprothese gewöhnen und erfahrungemäß werden vielleicht weitere Nachjustierungen notwendig sein. Für die Durchführung weiterer Anpassungen kann er sich dabei jederzeit an die Orthopädietechnik wenden – im Zweifelsfall kommen die Experten des Sanitätshauses Tingelhoff ihn auch zu Hause besuchen. Alle zwei Jahre muss das Bein zudem zwecks Wartung an den Hersteller geschickt werden. Zur Überbrückung erhält Herr Kaupmann dann einen Ersatz, dem die individuellen Daten des Patienten ebenfalls direkt per Bluetooth eingespeist werden, was viel Detailarbeit einspart.

Und ansonsten? Kommen sicherlich noch kleinere Anschlussfragen auf. Zum Beispiel hat all die Technik auch ihren Preis: Der Akku muss regelmäßig geladen werden. Aber wie sieht die Akkuleistung der neuen Oberschenkelprothese aus? „Zwei Tage sollte eine Akkuladung reichen“, so der Fachmann. Übrigens kann man die Prothese einfach über einen Ladestecker aufladen – ähnlich wie bei einem Handy. Die Stromkosten betragen dabei im Jahr circa fünf Euro, was ebenfalls mit dem Stromkostenfaktor eines handelsüblichen Mobiltelefons zu vergleichen ist. Herr Kaupmann scheint jedenfalls zufrieden mit seinem neuen C-Leg, auch wenn er sich doch im Scherz so seine Gedanken darüber macht, was wohl geschieht, wenn seine Kinder die neue App-Steuerung in die Finger bekommen …

Abschließend nochmals herzlichen Dank an Herrn Kaupmann und unsere Kollegen aus der Orthopädietechnik für die interessanten Einblicke. Einen Überblick rund um Oberschenkelprothesen, Unterschenkelprothesen und alle weiteren Versorgungen im Bereich Prothetik können Sie sich auf der entsprechenden Prothesen-Webseite unserer Orthopädietechnik verschaffen. Wir versorgen herstellerunabhängig und wählen mit Ihnen gemeinsam das passende Prothesenmodell aus!

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