Rollstuhltypen ABC
Rollstuhl

Welche Rollstühle gibt es?

Im vorherigen Artikel sind wir auf den geschichtlichen Aspekt und die Entwicklung von Rollstühlen näher eingegangen. Nun werden wir die einzelnen Typen genauer beleuchten. Dafür haben wir eine alphabetische Auflistung der einzelnen Rollstühle angefertigt und werden diese nach bestimmten Kriterien beschreiben.

Typischerweise besteht ein Rollstuhl aus einer Fahr- und einer Sitzeinheit, mit folgenden Bauteilen:

  • Rückenpolsterung
  • Seitenteile
  • Sitzfläche
  • Steckachse (Schwerpunkt)
  • Schiebegriffe
  • Antriebs- und Lenkräder
  • Greifreifen
  • Bremsen, Bremssystem

Zusätzlich sind verschiedene Rollstuhlzubehörteile, wie Fußplatten, Armlehnen, Beckengurte, Fixiersysteme, Kippschutz, Therapietische, Stockhalter, Taschen, Becherhalter, Sitzkissen und viele Weitere wählbar und erhältlich.
Adaptiv (Aktiv-)Rollstuhl

Die Maße und Ausstattung der Adaptivrollstühle kann individuell je Nutzer gewählt werden, dabei steht auch eine Vielzahl an Optionen bezüglich der Ausstattung zur Verfügung. Das Gewicht liegt meist zwischen 12 kg und 14 kg. Durch die aktive Radposition des Aktivrollstuhls kann sich der Rollstuhlfahrer eigenständig fortbewegen. Es gibt gewichtsreduzierte Stühle, bei denen die Rahmen aus Titan oder Carbon hergestellt sind. Adaptiv weist hierbei auf die Anpassungsfähigkeit dieser Rollstühle hin. Greifpunkt, Radstand, Sitzhöhe, Radsturz, Dreh- und Kipppunkt sind genau abgestimmt und ideal angepasst.

Duschrollstuhl

Duschrollstühle sind, wie der Name schon andeutet, speziell für die Ausführung der Körperpflege geeignet. Sie bestehen aus nässeunempfindlichem, desinfizierbarem und leicht zu reinigendem Material. Häufig verfügen diese Rollstühle über eine Hygieneöffnung in der Sitzfläche, sowie Vorrichtungen, um den Abfluss des Wassers zu gewährleisten. Die Dusche muss über bestimmte Maße verfügen, um ausreichend Platz für den Duschrollstuhl zu haben.
Diese Stühle gibt es als Schiebevariante oder als Selbstfahrervariante mit großen Hinterrädern.

E– Rollstuhl mit Zusatzantrieb

Zur Entlastung und Erleichterung des Fahrens besteht die Möglichkeit, einen Zusatzantrieb an den Rollstuhl zu montieren. Dieser Antrieb besteht aus einem Elektromotor, einem Getriebe und speziellen Bremsen. Diese Bauteile werden in der Radnabe des Rollstuhls angebracht. Durch den Antrieb wird die Kraftanstrengung des Rollstuhlfahrers beim Fahrer verringert, der Elektroantrieb ist vor allem sinnvoll bei der Überwindung von Steigungen und längeren Strecken. Steuern lässt sich der Rollstuhl mit Hilfe eines Joysticks oder per Hand (e-motion) nach dem E-Bike Prinzip:
Die vom Nutzer eingebrachte Kraft wird vervielfacht.

Elektrorollstuhl

Anders als beim Rollstuhl mit Zusatzantrieb, bei dem der Antrieb in der Radnabe montiert wird, werden die Räder der Elektrorollstühle direkt angetrieben. Ziel ist es auch hier das Fahren zu erleichtern, jedoch wird hier eine komplette Steuerung über den Motor erzielt und nicht nur das Fahren unterstützt. Diese Elektrorollstühle sind geeignet für Betroffene, die über wenig Kraft in den Armen und/oder eine geringe Beweglichkeit der Arme und der Hände verfügen.

Geländerollstuhl

Der Geländerollstuhl eignet sich wie der Name schon sagt für das „Gelände“. Hiermit sind unwegsame Strecken gemeint, die auch mal von dem Bürgersteig abweichen. Geländegängigkeit, das Überqueren von Stufen und auch die Eignung für den Winter sind Besonderheiten. Diese Art wird auch Outdoor- oder Offroad-Rollstuhl genannt. So haben Rollstuhlfahrer die Chance auch an Outdoor-Aktivitäten teilzunehmen. Eine Kostenübernahme bei diesen Modellen wird von den Krankenkassen nicht gewährleistet. Die Kassenvariante ist der Elektrorollstuhl.

Handbikes

Auch hier ist der Name Programm. Handbikes (vom engl. Wort Hand und Bike, kurz für Bicycle, zu Deutsch Hand und Zweirad) sind Fahrräder, die alleine durch die Kraft der Arme angetrieben werden. Dabei gibt es zwei verschiedene Ausführungen, einmal die Variante, die an einen Rollstuhl montiert werden kann und das eigenständige Rennbike. Inzwischen gibt es die Handbikes auch als E-Bike Variante um richtigen Fahrspaß zu bieten.

Kinderrollstuhl

Rollstühle für die Kleinen. Kinder haben andere Ansprüche und somit muss der Rollstuhl andere Anforderungen erfüllen. Größtmögliche Flexibilität, einfache Handhabung, Sicherheit, Wendigkeit, buntes Design, eventuelles Mitwachsen sind nur einige Beispiele von Eigenschaften, die ein Kinderrollstuhl mitbringen sollte.

Leichtgewichtrollstuhl

Leichtgewichtrollstuhl sagt nicht aus, dass es der leichteste Rollstuhltyp ist. Denn diese Rollstühle haben ein Eigengewicht von 13 kg bis maximal 17 kg, somit wiegen sie mehr als ein Adaptiv-Aktiv Rollstuhl. Der Begriff kommt aus den achtziger Jahren. Damals waren die Rollstühle mit im Durchschnitt 15 kg ein Fortschritt und leicht im Gegensatz zu den schweren Standardrollstühlen, welche um die zwanzig Kilo und mehr wogen. Die eigenständige Fortbewegung bedarf einer großen Kraftanstrengung.

Multifunktions- (auch Pflege-) Rollstuhl

Multifunktionsrollstühle sind meist Schieberollstühle, also ungeeignet für die aktive Fortbewegung. Eher dienen sie als Erleichterung der Pflege von schwerstbehinderten Personen. Durch die variablen Sitz- und Positionierungseinstellung und Verstellmöglichkeiten kann Sitzen und ein halbliegender Transport ermöglicht werden. Diese Rollstühle verfügen über ein hohes Gewicht, die meisten Modelle wiegen um die 30 kg.

Sportrollstuhl

Auch mit Handicap kann man am sportlichen Leben teilnehmen, besonders für ambitionierte Sportler eignen sich sogenannte Sportrollstühle. Sie sind besonders an die unterschiedlichen Sportarten angepasst. Rollstuhltennis,-basketball,-rugby,-hockey und Tischtennis sind nur einige Möglichkeiten für Sport im Rollstuhl. Drehfreudigkeit, Stabilität, Kurvenverhalten und Richtungswechsel werden durch verschiedene Einstellungen ermöglicht, wie zum Beispiel Rahmen Schutz- oder Rammbügel oder dem Radsturz. Zur Sicherheit und Stabilität ist der Rahmen häufig aus einem Teil gefertigt, hat keine überflüssigen Bauteile und keine Schrauben.

Standardrollstuhl

Der Rollstuhl entspricht dem Standard. Lediglich die notwendige Ausstattung und keine Extras. Er ist optimal geeignet, um die Grundversorgung durch einen Rollstuhl abzudecken. Zudem ist es die kostengünstigste Variante eines Rollstuhls. Häufig werden diese Rollstühle als reine Transportrollstühle in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verwendet oder bei vorrübergehender Hilfsmittelabhängigkeit mit geringem Mobilitätsverlust (zum Beispiel nach Beinbüchen oder Operationen) verschrieben. Die meisten Modelle der Standardrollstühle wiegen um die 20kg und sind daher für eine eigenständige Fortbewegung ungeeignet.

Stehrollstuhl (Aufrichtrollstuhl)

Aufrichtrollstühle ermöglichen das Stehen trotz Beeinträchtigung. Folgeschäden aus andauerndem Sitzen werden so reduziert. Der menschliche Körper ist für das Stehen gebaut. Ständiges Sitzen beeinträchtigt nicht nur Muskeln, sondern auch die Organe, Atmung, Spastik und das Skelett.

Strandrollstuhl

Auch Ausflüge an den Strand  können mit einem Rollstuhl gemacht werden. Viele lassen sich von Strand und Sand abschrecken, aber mit dem richtigen Gefährt ist auch diese Problematik überwindbar. Die extra breiten, luftbereiften Räder ermöglichen die Fortbewegung auf weichem Untergrund. Das Material ist strapazierfähig, wasserunempfindlich und unempfindlich gegenüber Salz und Sand. Einige Modelle sind flach gebaut, können ins Wasser geschoben werden und ermöglichen das einfache Verlassens des Rollstuhls im Wasser. An einigen deutschen Urlaubsorten werden diese Modelle zur Miete für die Dauer des Aufenthalts angeboten.

Welcher Rollstuhl der richtige ist, ist immer eine Einzelfallentscheidung!
Es gibt lediglich ein paar Kriterien, die beim Entscheidungsprozess helfen können. Dazu zählen:

  • Sind Sie längerfristig oder kurzfristig auf einen Rollstuhl angewiesen?
  • Was empfiehlt Ihr Arzt/Krankenkasse?
  • Haben Sie sich bereits mit dem Thema befasst?
  • Was haben Sie mit dem Rollstuhl vor?
  • Welche Anforderungen stellen Sie an Ihren Rolli?
  • Sind Sie in der Lage aktiv selbst zu fahren?
  • Benötigen Sie Schiebehilfe?
  • In wie weit sind die Arme zusätzlich beeinträchtigt?
  • Wie sieht der Verlauf der Krankheit aus?
  • Sind Sie erfahren im Gebrauch von Rollstühlen?

Machen Sie sich vorab Gedanken zu den einzelnen Fragen, vor allem wie Sie den Rollstuhl nutzen möchten und können und welchen Anforderungen er Stand halten soll.

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