Hilfsmittel Rollstuhl- Teil 1. Eine Zeitreise

Im ersten Artikel der Reihe Hilfsmittel Rollstuhl werden wir Ihnen etwas zur Geschichte und Entwicklung des Hilfsmittels erzählen. Drauf folgt ein Artikel, der auf die unterschiedlichen Ausführen und Typen von Rollstühlen näher eingehen wird.

Mobilität war schon immer wichtig für den Menschen. Denn wir müssen uns bewegen, um zur Bank, zur Post, zum Einkaufen und zum Arzt zu gelangen. Des Weiteren ermöglicht uns Mobilität das Knüpfen und Aufrechterhalten von sozialen Kontakten. Durch Bewegung stärken und fordern wir unseren Körper und sind ausgelastet, wie auch ausgeglichen.

Allerdings sind viele Menschen in ihrer Bewegung beeinträchtigt und benötigen ein Hilfsmittel, welches die Bewegungsfreiheit aufrecht erhält und zum Teil erweitert.
Circa 1,56 Millionen Rollstuhlfahrer, ob zeitweise oder ständig darauf angewiesen, leben in Deutschland. Der Rollstuhl ist kein Therapiegerät, sondern ein Hilfsmittel. Häufig abgekürzt als Rolli, heißt es offiziell im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen „Krankenfahrstuhl“.

Bereits 1300 v. Chr. gab es einfache Konstruktionen, die zu den Urahnen unserer heutigen Rollstühle zählen. Damals wurde ein Sessel oder Stuhl auf Rollen gesetzt, um kranke/alte oder behinderte Menschen zu bewegen. Diese Konstruktionen waren lediglich den Reichen und Adligen vorbehalten. Im Mittelalter nutzte man ähnliche Modelle, die eher Schubkarren glichen, um Kriegsversehrte aus umkämpften Gebieten zu holen und in Sicherheit zu bringen, um sie dort behandeln zu können. Damals verfügte man nicht annähernd über das heutige technische Wissen, aber ein hohes Maß an Kreativität half bei der Umsetzung.

1420 gab es den ersten Rollstuhl mit Seilwinde, dieser war schwierig manövrierbar und schwer aber für den Anlass funktionell.
1590, litt der spanische König an Gicht. Für ihn wurde ein rollstuhlähnliches Gefährt gebaut, mit welchem er sich durch die königlichen Räumlichkeiten fortbewegen konnte. Dieser Rollstuhl verfügte bereits über verstellbare Rücken- und Fußstützen.

All diese Vorreiter der Rollstühle waren nur mit fremder Hilfe zu bedienen und ermöglichten keine selbstständige Bewegung.

Erst 1655 erfand ein Nürnberger den ersten selbst angetriebenen Rollstuhl.
Ein Meilenstein in der Entwicklung der Rollstühle.
Im Laufe der folgenden Jahre wurden die Rollstühle stetig weiterentwickelt und verbessert. Immer mehr rückten die Belange der Nutzer in den Vordergrund und die Rollstühle wurden ihren Besitzern angepasst. Diese Entwicklung ist auch dem steigenden Ansehen von Behinderten zu verdanken. Wurden sie in den vorherigen Jahren meist gemieden und genossen kein gesellschaftliches Ansehen, konnten sie im Laufe der Zeit immer mehr in die Gesellschaft integriert werden.

Früher wurde ein Rollstuhl nicht nur mit Erkrankungen in Verbindung gebracht, sondern auch als Prestigeobjekt. Auf der Weltausstellung 1873 in Wien wurden den Besuchern Rollstühle angeboten, um den ermüdenden Rundgang angenehmer zu gestalten. Vor allem gut situierte und in schwere Kleider gehüllte Damen nutzten den Service und ließen sich durch die Ausstellung schieben.

Heute ist das Hilfsmittel nach verschiedenen Behinderungen und Anwendungen klassifiziert und lässt sich nach ausdifferenzierten Merkmalen unterscheiden (Konstruktion, Rahmen, Material, Sitz, Ausstattung, Gebrauch, Anwender). Nach DIN 13240 klassifiziert ist ein Rollstuhl ein „Fortbewegungsmittel für Personen, deren Gehfähigkeit eingeschränkt ist“. Es hilft mehr als nur bei der reinen Fortbewegung, es ersetzt Körperfunktionen, stärkt, nutzt und unterstützt noch vorhandene Fähigkeiten und baut diese aus. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichsten Rollstühlen, die in jeglicher Art von Bewegung genutzt werden können. Die aktive Teilhabe am Leben wird so deutlich unterstützt.

Unterschieden werden kann nach:

  • Elektro- oder manuell mechanische Rollstühle
  • Antrieb
    • Greifreifen, Einhand-Antrieb, Elektrorollstuhl, Tippelrollstuhl
  • Rahmenbauart
    • Faltrahmen oder Starrrahmen
  • Anwendungsbereich
    • Standard, Leichtgewicht, Multifunktion, Pflege, Positionierung, Lagerung, Adaptiv/Aktiv
  • Einsatzmöglichkeiten
    • Sport,- Alltags,- Duschrollstühle
  • Sonderollstühle
    • Elektromobile, Scooter, Handbikes,- Strand,- oder Stehrollstuhl, Stühle mit Sitzlift, Stühle zur Lagerung

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