Eistonne

Gesundheitstrend Eistonne

Alles für die Eistonne!

Eistonne. Das Prinzip des Eisbadens ist sicher jedem von uns bekannt und hat in vielen Ländern bereits seit Jahrhunderten Tradition. Das Wort allein weckt Bilder von mutigen Wasserratten, die das neue Jahr beim Dreikönigsschwimmen mit einem Bad im Eiswasser begehen oder bärtigen Skandinaviern, die von der heißen Sauna aus den Sprung in eisige Fluten wagen – angeblich gesund, härtet ab, macht Spaß … und ist für viele vor alle eins: Ziemlich verrückt.

Ähnlich sieht es hier sicher mit dem „Phänomen Eistonne“ aus. Das Baden und Untertauchen in einer sogenannten Eistonne hat in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen und zählt als „Kältetherapie“ klar zu den aktuellen Trends im Gesundheits-, Wellness- und Fitnessbereich. Bei dieser Methode setzen Menschen ihren Körper für kurze Zeit extrem niedrigen Temperaturen aus, normalerweise durch Eintauchen in eine mit (eis)kaltem Wasser gefüllte Tonne oder Wanne, die inzwischen auch längst gezielt als Produkt beworben und verkauft wird. Das nennt man auch „Kaltwasserimmersion“. Eine Abart stellt die sogenannte Kryotherapie (altgriechisch κρύος/kryos, dt. Eis/Frost) dar, in der spezielle Kältekammern Verwendung finden können.

Dieser Gesundheitstrend basiert auf der Idee, dass die Kältebehandlung zahlreiche positive Auswirkungen auf den Körper haben kann. Viele Sportler nutzen das Bad in der Eistonne, um die Erholung nach intensivem Training zu beschleunigen, Muskelkater zu reduzieren und die Wahrscheinlichkeit einer Muskelentzündung zu verringern. Auch kann die Kälte den Stoffwechsel ankurbeln und die Durchblutung verbessern, was zu einer besseren Sauerstoff- und Nährstoffversorgung in der Muskulatur führt. Ebenfalls positiv begünstig werden soll die Abfuhr von Stoffwechselabfallprodukten. Die physiologischen Effekte der Kältetherapie werden dabei auch oft mit einer Aktivierung des „Glückshormons“ Endorphin in Verbindung gebracht.

It’s (pre/post)cool, man!

Im Sport – insbesondere ist die Eistonne bei Gewichthebern, Leichtathleten oder Fußballern beliebt. Das Bad wird im kühlsten Nass in Form des Postcoolings, also der Regeneration nach der Aktivität, sowie als Precooling vor dem Sport, das eine verbesserte Leistung nach der Kaltwasserimmerson verspricht, angewendet. Daran, welche Temperatur das Wasser idealerweise haben und wie lang das Bad dauern sollte, scheiden sich die Geister. Zwischen 10 und 12 Minuten bei 10 bis 15 Grad werden oft empfohlen. Erwartungsgemäß ist gerade bei Social Media ein regelrechter Hype darum ausgebrochen, welche Anwendungsmethode vermeintlich den größten Erfolg verspricht. Dabei können wir uns sicher sein, dass sich besonders „toughe“ Influencer*innen auch an besonders niedrigen Temperaturen und möglichst langen Verweildauern im Bad versuchen werden. Ob dies (gerade bei Anfängern) zur Nachahmung empfohlen ist, darf angezweifelt werden.

Aber zurück zum eigentlichen Thema: Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Schmerzbehandlung. Kältetherapie wird manchmal bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis eingesetzt, um die Symptome zu lindern. Darüber hinaus behaupten einige Anhänger des Bades in der Eistonne, dass regelmäßige Kaltwasserimmersionen die Hautstraffung fördern. Zusätzlich die allgemeine Stimmung und das Wohlbefinden verbessern können.

Eiskalt kalkuliert: Pro und Contra

Obwohl es viele enthusiastische Befürworter der Eistonne gibt, existieren im Gegenzug auch skeptische Stimmen. Die Wirksamkeit der Kaltwasserimmersion wird bisweilen angezweifelt – es gibt eine uneinheitliche Studienlage und viele Unklarheiten. Während einige Studien positive Auswirkungen zeigen, gibt es auch Forschung, die darauf hinweist, dass die Vorteile begrenzt oder eine Behandlung womöglich ohne statistisch signifikante Effekte bleibt. Der berühmte „Placebo-Effekt“ steht hier im Raume. Dabei ist es natürlich wichtig zu beachten, dass individuelle Reaktionen variieren können.

Insgesamt ist die Kaltwasserimmersion eine Therapiemethode, die sicherlich nichts für jeden ist und potenziell mit Vorteilen für den Körper einhergeht. Sie erfordert aber Vorsicht und eine individuelle Anpassung, um mögliche Risiken zu minimieren. Insbesondere Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz- und Kreislaufbeschwerden sollten vor der Anwendung am besten mit medizinischen Fachleuten sprechen, um sicherzustellen, dass diese Therapieform geeignet ist. Denn eins sollte man bei allem Spaß an der Herausforderung nicht vergessen: mit der (je nach Art der Anwendung) extremen Kälte sind Risiken verbunden. Neben Unterkühlung sind im extremsten Falle Frostbeulen, Erfrierungen und allergische Reaktionen auf die Kälte potenzielle Risiken.

Trotz mancher Kontroverse erfreut sich die Eistonne weltweit großer Beliebtheit. Wellnesszentren, Sportler und Prominente integrieren die Kaltwassertherapie in ihre Routinen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Forschung entwickelt und ob die Kältetherapie ihren Status als Gesundheitstrend behält oder ob sie sich als vorübergehende Modeerscheinung erweist. In jedem Fall zeigt das Interesse an der Eistonne, dass Menschen ständig auf der Suche nach innovativen Wegen zur Verbesserung ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens sind. Und das ist doch eigentlich – ja, genau – eine coole Sache.

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