Heute ist Tag des Hundes – des Menschen bester Freund

Die erstaunlichen Fähigkeiten eines Hundes uns Menschen zu „lesen“, selbst kleinste Stimmungsschwankungen wahrzunehmen, Änderungen an Eigengeruch, Körpergeruch, Schweiß und Atem zu erschnüffeln, haben ihm etliche neue Einsatzbereiche in der modernen Welt geschaffen – viele davon in der Medizin. Als Dienstleister im Gesundheitswesen möchten wir den heutigen Tag des Hundes nutzen, um über die für uns wohl erstaunlichsten und emotional berührendsten Einsätze von Hunden zu berichten, die Hundeeinsätze im Gesundheitswesen.

Warnhunde, oder auch Signalhunde genannt,  gibt es für verschiedene Anforderungen: Gehörlosenhunde machen taube Menschen auf wichtige Geräusche aufmerksam, wie Telefonklingeln, das Schreien ihres Babys, einen Feueralarm oder den eigenen gerufenen Namen.

Diabetikerwarnhunde melden ihrem Menschen einen sinkenden Zuckerspiegel und bringen ihm die Insulintasche. Das kann besonders für Kinder wichtig sein oder für Menschen, die ihren Zuckerspiegel nicht selbst im Auge behalten können.

Und es gibt Epilepsiewarnhunde. „Aber was soll ein Epilepsiewarnhund? Den Anfall sieht man doch!“ Ich war skeptisch. Doch nachdem ich Christian H. bewegende Geschichte kennen lernte, weiß ich, dass Epilepsiehunde das Leben einer ganzen Familie in neue Bahnen lenken und den Betroffenen vom Pflegefall zum selbständigen Jugendlichen machen kann.

Jeder Hund kann darauf trainiert werden, im Anfallsfall Hilfe zu leisten. Aber nur ein kleiner Prozentsatz besitzt die Fähigkeit, das nahen eines Anfalls anzuzeigen. Erst 1985 wurde von Hunden berichtet, die einen Anfall im Voraus anzeigen konnten. Diese Fähigkeit scheint weniger erlernbar, als angeboren zu sein und ist nicht allen Hunden möglich. 1996 begann die organisierte Ausbildung von Epilepsiewarnhunden, seit 2000 auch in Deutschland.

Epilepsiewarnhunde kann drohende Anfälle Minuten, manchmal Stunden zuvor „melden“. Er meldet sogar Anfälle, die das EEG erkennt, die aber am Menschen noch nicht sichtbar sind. Es ist noch unklar, wie der Hund diese Leistung erbringt. Allgemein wird aber angenommen, dass der Hund kleinste Änderungen in der Motorik seines Menschen wahrnimmt, und vor allem Veränderungen von Körpergeruch und Atem. Oft wird auch beobachtet, dass der Hund gezielt die Handflächen des Erkrankten aufsucht, beschnüffelt und leckt. Epilepsiewarnhunde können auf zwei Arten ausgebildet sein. Es gibt den Epilepsiewarnhund und den Epilepsiehilfehund bzw. Epilepsieanzeigehund.

Der Epilepsiewarnhund zeigt das Nahen eines Anfalles an, indem er z. B. den Kopf auf das Bein des Menschen legt. Oder er schränkt die Bewegungen des Betroffenen ein und lässt sich nicht davon abbringen, bis dieser sich setzt oder auf den Boden legt. Er kann aber auch durch bellen oder auf andere Weise anzeigen, je nachdem was Trainer und Betroffener für sinnvoll halten und dem Hund beibringen. Der Hund betreut seinen Besitzer dann auch während und nach einem Anfall.

Der Epilepsiehilfehund/-anzeigehund holt beim Anfall Hilfe. Entweder eine im Haus befindliche Person, die er durch bellen auf den Anfall hinweist oder über einen Hausnotruf, der per Tastendruck durch den Hund einen Arzt oder Helfer alarmiert. Auf Kommando bringt er ein Notfalltäschchen mit Medikamenten, damit der Helfer beim Patienten bleiben kann. Passiert ein Anfall außerhalb des Hauses, hat ein solcher Hund ein Notfallpäckchen mit Informationen bei sich. In diesem stehen z. B. Telefonnummern oder Erste Hilfe Maßnahmen, die in die Lage versetzen zu helfen und Angehörige oder eingetragene Helfer anzurufen. Während des Anfalls bleibt er beim Patienten. Einige der Epilepsiehilfehunde sind sogar in der Lage, ihren „Patienten“ in die stabile Seitenlage zu ziehen und potentiell verletzende Gegenstände aus dessen Nähe zu entfernen.

Ob ein Hund zum Warnhund oder zum Helferhund ausgebildet werden kann, hängt von den Fähigkeiten des Hundes ab, aber auch von der Art der Epilepsie. Nicht jeder Hund besitzt die Fähigkeit, den Anfall vorher zu spüren. Auch ist nicht jede Form von Epilepsie rechtzeitig „warnbar“. Das heißt, die Vorzeichen sind zu gering oder zu kurz vor einem Anfall, als dass eine Warnung rechtzeitig erfolgen kann. Auf der anderen Seite gibt es Epilepsien, deren Anfälle recht undramatisch und kurz sind – also ohne den sogenannten „Großen Anfall“ der mit Sturz und Krampfen einhergeht. Manche Betroffenen wirken während eines Anfalles nur wie kurz weggetreten, wie in Gedanken. Für den Epilepsiekranken ist es aber wichtig, über den Anfall informiert zu werden, denn die kleinen Anfälle können einem Größeren vorausgehen. Der Hund zeigt dem Betroffenen auch die kleinen Anfälle an. Der Patient kann sich dann entsprechend verhalten.

Wer eignet sich für einen solchen Hund?

Damit der Hund lernen kann, müssen Anfälle in einer gewissen Frequenz auftreten. Daher kommt er bei Patienten zum Einsatz, wo eine Medikation nicht ausreicht.  Außerdem müssen die Bereitschaft und die Fähigkeit des Betroffenen bestehen, 24 Std. täglich mit dem Hund zusammen zu leben, ihn artgerecht zu versorgen, zu führen und ihn als Lebewesen angemessen zu behandeln.

Anders als ein Assistenzhund, kann ein Epilepsiehund nur für den Betroffenen zuverlässig arbeiten, auf den er trainiert wurde. Denn bei jedem Menschen ist die Epilepsie anders und zeigt sich dem Hund in Form von anderen Hinweisen. Entsprechend schlecht sind die Quoten bei „fertig“ ausgebildeten Hunden, die zum Kauf angeboten werden. Fast 50 % erweisen sich als nicht geeignet für den Patienten. Die Ausbildung ist am erfolgreichsten wenn der Hund von Anfang an bei seinem Menschen lebt. Also bereits als 8 Wochen alter Welpe. Das Training findet durch den Trainer beim Mensch-Hund-Team statt. Dabei wird gleichzeitig der Betroffene ausgebildet und sein Umgang mit dem Hund begutachtet. Nach dieser Methode arbeitet z. B. Erik Kersting. Er ist erfolgreicher und erfahrener Trainer für Epilepsiewarnhunde, hat über 150 Epilepsiewarnhunde in Deutschland und Europa ausgebildet bzw. bei der Ausbildung aktiv mitgewirkt, von denen die meisten Hunde Warnen können.

Einer seiner Hunde war es, der Christian H. ein völlig neues Leben geschenkt hat und mir einen überzeugenden Einblick in den Sinn und Zweck von Epilepsiewarnhunden ermöglichte.

Christian hat von Geburt an Epilepsie. Oft erbrach er dabei und drohte zu ersticken. Von Anfang  an war es notwendig, ihn 24 Stunden am Tag zu überwachen. Er war praktisch nie allein. Die Aufgabe des „Christian-Sittens“ wurde auf alle Familienmitglieder verteilt, auch die Geschwister. Nachts schlief die Mutter bei dem Jungen im Bett. Da seine Anfälle ohne Laute verliefen, war Körperkontakt die einzige Möglichkeit, im Falle eines Anfalles aufmerksam zu werden. Der Alltag von Geschwistern und Eltern, besonders der der Mutter war allein von Christian bestimmt. Freunde? Spielen gehen? Alleine rausgehen? Alles das war für ihn nicht machbar. Er sprach wenig und war zu schüchtern, um auf fremde Menschen zuzugehen. Seine epileptischen Anfälle konnten trotz Medikamenten nicht unter Kontrolle gebracht werden. Je älter Christian wurde, umso weniger war diese Struktur leistbar, und umso weniger wurde dieses eingeengte Leben von ihm toleriert. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die ganze Familie quasi Gefangene von Christians Epilepsie waren. Als Christian 14 Jahre wurde, erfuhren seine Eltern von den Möglichkeiten eines Epilepsiewarnhundes. Tatsächlich stellte sich heraus, dass der Hund bei Christian Anfälle zuverlässig im Voraus anzeigen konnte. Und so zog Angel, ein 2 Monate alter Golden Retriever Welpe bei Familie H. ein und begann sein Training. Langsam und schrittweise entwickelte sich für die gesamte Familie ein neues Leben. Zeigt der Hund nichts an, ist sicher, dass Christian mind.12 Stunden keinen Anfall haben würde (Diese lange Vorwarnzeit ist ein besonderer Fall. Üblicherweise kann ein Hund Minuten bis ca. 1Std. vorher vor einem Anfall warnen). Eltern und  Geschwister sind aus der Verantwortung entlassen, sie haben jetzt Zeit für ein eigenes Leben und eigene Entwicklung – so wie es sein sollte. Und Christian? Christian ist kein „Kleinkind“, kein Pflegefall mehr. Er kann mit Freunden spielen – hat dadurch überhaupt erst welche gefunden. Angel hat ihm dazu eine tolle Brücke gebaut.  Er kann alleine sein. Etwas, was er 14 Jahre seines Lebens nicht sein konnte und nicht kannte. Er konnte so überhaupt erst beginnen, geistig zu reifen, sich abzunabeln, sich als eigene Person zu erleben. Heute geht er jeden Morgen an Wochenenden alleine mit dem Hund an seiner Seite Brötchen holen. Christian spricht heute gerne und hat viel von seiner Schüchternheit verloren. Spätestens auf den Hund wird er immer wieder von Leuten angesprochen und es beginnt ein Gespräch.Das Leben der ganzen Familie H. ist ein vollkommen anderes geworden. Während Christians Mutter mir diese Geschichte erzählt, haben wir beide Tränen in den Augen. Was der Hund eigentlich bedeutet steht jenseits von Worten im Raum. Christian schaut derweil etwas verlegen aber grinsend auf Angel und krault sie liebevoll hinterm Ohr – wo sie es am liebsten hat.

Kontakt:

Europäisch Berufsverband für I-L-e Coaches e.V. (alle Assistenzhundebereiche)

AP Herr Erik Kersting

Neu Fringshaus 1, 52159 Roetgen

Telefon: 02471 921080

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