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Die Geschichte von Flüchtlingshelfer Zlatan Kovacevic – Teil 1

Dirk Planert, ein bekannter Journalist und Fotograf, der oft als humanitärer Helfer unterwegs ist und Großartiges leistet hat sich vor paar Monaten aus einem Flüchtlingslager in Bihac, welches im Nordwesten Bosniens liegt, gemeldet. Er wolle für seinen engen Freund und Mithelfer Zlatan Kovacevic eine neue Beinprothese. Seine momentane sei völlig veraltet, unbrauchbar und störend statt entlastend und stabil.

Wir waren natürlich bereit dem Herrn zu helfen und eine passgenaue Prothese anfertigen zu lassen, doch als wir seine Hintergrundgeschichte erfuhren, war es für uns eine wirklich besondere Anfertigung. Denn Zlatan hat schon Einiges im Leben durchmachen müssen, viel gesehen und erlebt.

Zlatan war eins der ersten Kriegsopfer als die Serben 1992 den Nordwesten Bosniens angriffen. Die erste Rakete in diesem Krieg schlug in Bihac ein. Sie ging direkt neben Zlatan hoch. Die Wucht der Explosion schleudert den damals 15-Jährigen neun Meter durch die Luft. Zlatan verlor sein rechtes Bein.

Auf die Frage nach seinen Wünschen: „Für mich selbst?”, kommt die erstaunte Antwort. “Nichts. Ich habe alles was ich brauche. Ich könnte mir mein Bein zurückwünschen, das tue ich aber nicht. Diese Rakete hat mich zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. Nie wäre ich so stark geworden. Dafür bin ich dankbar.“ (Quelle: Stelp)

Heute lebt der Bosnier immer noch in Bihac und unterstützt dort Flüchtlinge überall, wo er nur kann. Er, Dirk Planert und andere Helfer fahren in den Wäldern und Bergen herum und sind auf der Suche nach Flüchtlingen, denen sie ihre Hilfe anbieten. Sie statten die Menschen mit Schuhen, Kleidung, Essen und Taschenlampen aus.

Zlatan Kovacevic

Brennpunkt Bihac

Mehrere Tausend Geflüchtete durchqueren Bosnien und durchleben schwere Zeiten und stoßen nur selten auf Hilfe. Bihac zählt als zentraler Sammelpunkt des Flüchtlingsstromes. Dirk Planert und Kovacevic haben sich hier zur großen Aufgabe genommen den Flüchtlingen so gut es geht zur Seite zu stehen.

Zelte ohne Boden, kein Wasser, keine Toiletten, kein Strom – das sind die Lebensbedingungen im Migrantenlager im Nordwesten Bosniens, damit es überhaupt ein Lager in dieser Region gibt. Durch Überfüllung der regulären Lager der EU-Organisation wollte die Gemeinde Bihac den gestiegenen Andrang von Migranten bewältigen und errichtete improvisorisch ein Notlager auf einer Müllhalde. Mitten drin beim Aufbau: Zlatan und Dirk. Das Lager wurde Ende Dezember geschlossen und nicht weit entfernt in eine geschlossene Kaserne verlegt.

Der einzige inoffizielle Weg in die EU aus Bosnien führt über einen Trampelpfad entlang hoch in die Berge. Links und rechts Minenfelder, Überbleibsel aus dem jugoslawischen Krieg, welcher Zlatan das rechte Bein kostete. Es ist eine lebensgefährliche Route. Schneefall und die unglaubliche Kälte erschweren zusätzlich die Reise für die Migranten.

Die meisten Flüchtlinge haben teilweise schon eine Reise von vielen Monaten hinter sich und durchqueren verschiedenste Länder wie Griechenland, Albanien, Kosovo und mehr. Sie leiden meist unter schwerfälligen Krankheiten und sind sehr erschöpft. Gerade der EU-Grenzabschnitt zwischen Bosnien und Kroatien ist schwer zu durchqueren und bewacht, da die kroatische Polizei den Flüchtlingen die Durchreise extrem erschwert und nicht gestattet.

Aus dieser Notlage heraus gründete Zlatan mit Unterstützung sogar die SOS Bihac als bosnische Hilfsorganisation. Hiermit wollen sie gemeinsam mit Helfern aus anderen Ländern wie Österreich und Deutschland auf die Situation aufmerksam machen und die Effektivität der Flüchtlingsunterstützung verbessern.

Es steckt ein wirklich großartiger Wille in diesem Mann. Im zweiten Teil des Artikels gehen wir auf den Besuch von Zlatan bei uns und seine neue Beinprothese ein.

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