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Stürze im Alter sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr, die zahlreiche Risikofaktoren in sich birgt. Im Rahmen unserer Rubrik „Blogvisite“, in der wir Professionals aus der Gesundheitsbranche zur Sprache kommen lassen möchten, erklärt uns heute Dr. Johannes Wunderlich, Leiter der Geriatrie des St.-Elisabeth-Krankenhauses in Dortmund-Kurl, wie sich Stürze im Alter auswirken und was man als Betroffener tun kann, um Sturzereignissen vorzubeugen.

„… und plötzlich lag ich da!“

Stürze und deren Folgeerkrankungen sind ein typisches Syndrom der Altersmedizin. Circa 50 Prozent der Bewohner von Altenheimen und Pflegeeinrichtungen über 80 Jahre stürzen mindestens einmal pro Jahr. Die Folgen der Sturzereignisse sind häufig schwerwiegend: So erholt sich die Hälfte aller betroffenen Personen nicht mehr vollständig nach einem Sturzereignis, häufig verbleiben Defizite bei grundlegenden Funktionen des täglichen Lebens.
Wiederholte Stürze führen zur sogenannten „Sturzangst“, hierdurch leidet die Lebensqualität der Betroffenen. Es kommt zu einer selbst verordneten Immobilität, zu Depressionen sowie zu einer sozialen Isolierung.

Allein die Krankenhaus- sowie die Folgekosten der schätzungsweise jährlich 100.000 Oberschenkelhalsbrüche in Deutschland belaufen sich auf circa 2,5 Milliarden Euro. Anders als bei Stürzen im Kindes- und Jugendalter ist das Sturzereignis multikausal bedingt, d.h. die Summe der Sturzrisikofaktoren führt dann letztendlich zum schädigenden Sturzereignis.

Ursachenforschung: Was sind Risikofaktoren für Stürze im Alter?

Der Altersmediziner unterscheidet dabei innere Sturzursachen von äußeren Sturzursachen: Innere Sturzursachen können muskuläre Schwäche, Gleichgewichtsschwächen, Hör- und Seheinschränkungen, geistige Einschränkungen, Gangstörungen sowie beispielsweise ein Morbus Parkinson sein.

Von außen einwirkende Sturzrisikofaktoren sind beispielsweise unebene, mangel-hafte Böden, Treppen, Stolperfallen in der Wohnung, ungeeignetes Schuhwerk, schlechte Beleuchtung sowie der unsachgemäße Gebrauch von Gehhilfen.

Wie kann ich als Betroffener Sturzereignissen vorbeugen?

Ein gemäßigtes Krafttraining sowie ein Gleichgewichtstraining sind die wesentlichen Kernpunkte in der Sturzprävention. Das Krafttraining kann mit dem eigenen Körpergewicht, mit Kleingeräten wie Hanteln und Manschetten oder auch an großen Kraftgeräten erfolgen, wie man sie aus dem Fitnessstudio kennt. Wichtig und entscheidend ist das Training der unteren Extremität, weil eine ausreichende Haltemuskulatur Stürze verhindern kann.

Hosen mit eingebauten Protektoren haben sich in der Vergangenheit oftmals nicht bewährt, da ein ständiges Tragen der sehr schwer anzuziehenden Schutzhosen nicht gewährleistet werden konnte. Das An- und Ausziehen der Schutzhosen kann von den Senioren nur in den seltensten Fällen eigenständig durchgeführt werden.

Ein motorisches Krafttraining sollte idealerweise zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt werden. Ein reines Ausdauertraining wie spazieren gehen oder „Walking“ führt leider nicht zu einer Reduktion von Sturzereignissen.

Sehr geeignet sind dagegen Bewegungsarten wie Tai-Chi oder das Tanzen, weil hier in einer Bewegungsart Kraft, Koordination, Ausdauer und Geschicklichkeit gleichzeitig trainiert werden.

Bezüglich der Wohnraumanpassung sollten Stolperfallen wie Teppichläufer oder Telefonkabel beseitigt werden. Zudem muss auf ausreichende Beleuchtungsverhältnisse auch bei nächtlichen Toilettengängen geachtet werden. Wichtig ist auch geeignetes Schuhwerk – so sollte das Tragen von Pantoffeln im Haus vermieden werden!

Nach folgenreichen Sturzereignissen hat die geriatrische Rehabilitation zum Ziel, eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederzuerlangen und dauerhafte Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Auch hier hat das Training von motorisch-funktionellen Leistungen einen sehr hohen Stellenwert.

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