Epilepsie – Wenn mehrere Zellen im Gehirn gleichzeitig Signale senden. Ein Anfall macht noch keine Erkrankung

Allgemein sind epileptische Anfälle Folge von Hirnerkrankungen.
Bei der Epilepsie handelt es sich um eine Erkrankung mit erhöhter Neigung zu Anfällen. Diese Anfälle können sich in verschiedenen Formen äußern, von sekundenlangen Muskelzuckungen und Desorientierung bis hin zu minutenlangem unkontrollierbarem Krampfen und Bewusstlosigkeit.

Zurückzuführen sind die Anfälle auf Funktionsstörungen der Nervenzellen im Gehirn. Mehrere Zellen senden gleichzeitig ähnliche Signale und zwingen andere Zellen mitzumachen. Die Zellen sind überfordert und es kommt zu „Ausfällen“ und fehlerhaft weitergegebenen Signalen, die an verschiedene Körperregionen gesendet werden und sich als zum Beispiel unkontrollierbare Zuckungen äußern. Die Auswirkungen zeigen sich sehr unterschiedlich, je nachdem für welche Körperregion- und Funktion die betroffene Zelle zuständig ist.

Knapp jeder 100. Mensch erkrankt an Epilepsie, dabei kann es in jeglichem Alter auftreten.
1/3 der Patienten erleidet seinen ersten Anfall bereits im Kindesalter und ein weiteres Drittel erleidet den ersten Anfall erst nach dem 60. Lebensjahr.

Zudem kann Epilepsie leicht mit einfachen epileptischen Anfällen verwechselt werden. Ein Anfall lässt nicht eindeutig auf eine epileptische Erkrankung schließen. Denn Anfälle können auch durch andere Umstände ausgelöst werden. Diese Art von Anfällen wird als Gelegenheitsanfall bezeichnet, wobei Gelegenheit nicht auf gelegentlich hindeutet, sondern rein auf die Gelegenheit. Also der Anfall als Konsequenz eines bestimmten Auslösers. Zu möglichen Auslösern gehören unter anderem Schlafmangel, Alkoholentzug, Stoffwechselstörungen, Vergiftungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Fieberkrämpfe.

Die Anfälle eines Epileptikers belaufen sich meistens auf 1-2 Minuten und zeigen verschiedene Symptome: sichtbares Zucken oder Verkrampfen der Muskeln, Schlucken und Schmatzen, Geruchswahrnehmungen, Bewusstseinsverlust, keine Reaktion und nicht ansprechbar sein. Zudem gibt es die Aura. Die Aura kann ein mögliches Anzeichen für einen großen Anfall oder selbst ein Symptom sein. Betroffene beschreiben die Aura durch plötzliche ungewöhnliche Sinneseindrücke, wie Kribbeln, Gerüche, Geschmäcker, Halluzinationen, Schwebegefühle oder Schwindel.
Ein Epilepsiepatient hat meist immer einen ähnlichen Ablauf der Anfälle.

Die ILAE, International League against Epilepsie, klassifiziert verschiedene Anfallsformen nach Symptomen und Untersuchungsergebnissen. Sie unterscheidet zwischen den fokalen Anfällen, beginnend an einer bestimmten Stelle im Gehirn, wie einer Narbe und den sekundär-generalisierten Anfällen, beginnend wie ein fokaler aber ausweitend auf das gesamte Gehirn und den generalisierten Anfällen, bei welchen das gesamte Gehirn von vornherein betroffen ist.

Zudem gibt es den Status Epilepticus, der sich als ein Anfall äußert, der länger als 10 Minuten anhält oder eine Serie von Anfällen, zwischen denen keine vollständige Erholung auftritt, über eine Länge von 30 Minuten. Diese Art des Anfalls ist sehr schädlich, da er auf Grund der Länge und Schwere weitere erhebliche Schädigungen des Gehirns mit sich zieht.

Bei epileptischen Anfällen kann es zu einigen Komplikationen kommen, die die Anfälle zudem gefährlich machen. Zum einen kann sich der Erkrankte während eines Anfalls verletzen, durch umliegende Gegenstände, Stürze, Unfälle, wie im Straßenverkehr oder durch Brüche auf Grund von extremen Muskelkontraktionen. Zudem sieht man häufig Bissverletzungen an der Zunge oder der Wange durch das starke Verkrampfen.

Um eine Epilepsie zu diagnostizieren wird zu aller erst ein Artgespräch geführt. Die Fremdanamnese klärt die Krankheitsgeschichte und vorhandene Symptome, so wie den Ablauf des Anfalls ab.
Typische Fragen, die gestellt werden sind:

  • Wann, zu welcher Uhrzeit fand der Anfall statt?
  • Gab es einen konkreten Auslöser für den Anfall?
  • Wie lief der Anfall ab?
  • Wie lange hielt der Anfall an?
  • Welche Symptome wurden von möglichen anwesenden Personen beobachtet?
  • Handelt es sich um einen epileptischen Anfall oder eine sonstige Störung (Kreislauf, Herzrhythmus).

Daraufhin werden die Hirnpotentialschwankungen gemessen. Mit Hilfe einer EEG, Elektroenzephalografie, können am Kopf angebrachte Elektroden die elektrische Aktivität des Gehirns messen. Die abgebildeten Linienmuster, die sich zeigen, können Rückschlüsse auf die Erkrankung geben. Zusätzlich kann getestet werden, wie das Gehirn auf Reize reagiert. Oftmals wird auch ein Langzeit EEG verordnet, sowie eine Videoaufzeichnung, um einen möglichen Anfall aufzunehmen und später genauer analysieren zu können.

Zudem laufen einige Untersuchungen nach dem Prinzip des Ausschlussverfahrens ab.
Mit Hilfe des EKG kann eine Herzrhythmusstörung ausgeschlossen werden, Blutuntersuchungen bieten Rückschlüsse, ob Stoffwechselerkrankungen vorliegen.
Und eine Lumbalpunktion untersucht, ob Hirnentzündungen als Ursache des Anfalls in Frage kommen. Trifft eine dieser Optionen zu, kann man eine Epilepsie als Ursache des Anfalls ausschließen.

Lässt sich ein Anfall auf eine konkrete Ursache zurückführen und wurde eine Epilepsie diagnostiziert, so wird die Form der Epilepsie als symptomatische Epilepsie bezeichnet. Für diese Form gibt es viele mögliche Ursachen:

  • Sauerstoffmangel, während der Schwangerschaft oder bei der Geburt
  • Missbildungen im Gehirn, Gefäßmissbildungen
  • Genetische Veränderungen
  • Durchblutungsstörungen, Schlaganfall
  • Hirnblutungen und Hirntumore
  • Hirnhautentzündungen, Meningitis
  • Hirnverletzungen als Folge eines Unfalls
  • Stoffwechselstörungen

All diese Ursachen hinterlassen Narben im Gehirn, diese Narben irritieren das umliegende Gewebe und begünstigen bzw. lösen Anfälle aus.

Lässt sich keine konkrete Ursache finden, so geht man von einer kryptogenetischen Epilepsie aus.

Die jeweilige Behandlung- und Therapiemethode ist in jedem Einzelfall eine individuelle Entscheidung.

Neben Medikamenten, Anfallsblocker, die das Anfallsrisiko reduzieren sollen, gibt es zahlreiche weitere Verfahren mit der Krankheit umzugehen. Zum einen kann man in einigen Fällen den Herd, also den Ausgangspunkt der Epilepsie operativ entfernen und zum anderen kann man Stimulationsverfahren nutzen, wie die Vagus-Nerv-Stimulation. Bei diesem Verfahren wird ein Schrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins angebracht, welcher mit einem Kabel zum Vagus-Nerv am Hals führt. Über diesen Schrittmacher kann der Vagus-Nerv regelmäßig stimuliert werden und die Hirnaktivität positiv beeinflussen.

Des Weiteren tragen die meisten Epileptiker Notfallausweise mit, um Dritte im Falle eines Anfalls zeitnah informieren zu können und nutzen einige Tipps für den Alltag. Epileptiker sollten Schlafmangel und den übermäßigen Konsum von Genussmitteln strickt vermeiden, zudem benötigen sie eine gute und regelmäßige ärztliche Betreuung und manchmal psychologische Beratung.

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