Frailty

Es ist mal wieder Zeit für eine Blogvisite: Dr. Johannes Wunderlich vom St. Elisabeth Krankenhaus in Dortmund-Kurl erklärt uns heute den Begriff „Frailty“ und was er in der Geriatrie bedeutet!

Den englischen Begriff „Frailty“ kann man am besten mit dem deutschen Begriff „Gebrechlichkeit“ übersetzen. Die genaue Definition dieses Begriffes bereitet allerdings Schwierigkeiten. Die am häufigsten verwendete Definition zur Beschreibung der Gebrechlichkeit beschreibt die im Alter herabgesetzten körperlichen sowie funktionellen Fähigkeiten.

Eine Gebrechlichkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden, häufiger in einem Krankenhaus aufgenommen zu werden und akute Erkrankungen weniger aussichtsreich zu überstehen.

Sehr gebrechliche Patienten sind anfälliger für Komplikationen oder Infektionen und haben eine geringere Lebenserwartung als robuste Patienten. Fast alle Menschen in einem geriatrischen Alter (über 70 Jahre) leiden an mehreren parallel auftretenden Erkrankungen; diese werden vom Geriater mit dem Begriff „Multimorbidität“ zusammengefasst.

Der körperliche Zustand auch hochaltriger Menschen ist jedoch höchst unterschiedlich. Vorrangig ist es daher, bei hochaltrigen Menschen eine Einschätzung der Gebrechlichkeit vorzunehmen, um dieser frühzeitig entgegenzusteuern. Die gängigste Einteilung der Gebrechlichkeit erfolgt nach „Fried“, hierzu wurden 5 einfach festzustellende Kriterien festgelegt:

– Gewichtsabnahme von mehr als 5 kg im vergangenen Jahr.
– Häufige überaltersgemäße Erschöpfung.
– Zeigt sich eine Muskelschwäche bei der Messung der Handkraft?
– Beträgt die Gehgeschwindigkeit weniger als 0,8 m pro Sekunde?
– Hat der oder die Betroffene eine überaltersgemäße geringe körperliche Aktivität?

Wenn von diesen 5 Merkmalen mindestens 3 erfüllt sind, liegt eine Gebrechlichkeit vor.

Ab 80 Jahren steigt die Zahl der gebrechlichen Menschen deutlich an. Die Entwicklung der Gebrechlichkeit ist jedoch ein schleichender Prozess. Je älter ein Mensch wird, desto mehr nimmt seine Kraft und seine Beweglichkeit ab; die Gebrechlichkeit ist jedoch beispielsweise bei Bewohnern von Pflegeheimen deutlich ausgeprägter als bei selbständig zu Hause lebenden älteren Menschen.

Ungewollter Gewichtsverlust kann beispielsweise durch die regelmäßige Einnahme von vielen verschiedenen Medikamenten bedingt sein, jedoch kann auch ein schlecht sitzendes Gebiss oder eine Tumorerkrankung einen ungewollten Gewichtsverlust verursachen. Typischerweise besteht im Alter auch durch einen Verlust des Geschmackssinns ein verändertes Essverhalten.

Die Muskelschwäche ist häufig ein Teufelskreis. Durch Inaktivität im Alter nimmt die Muskelmasse ab, dies führt dann zu einer Unsicherheit oder einem Schwindelgefühl beim Laufen, hierdurch steigt das Risiko für Sturzereignisse. Angstbedingt bewegen sich die Betroffenen weniger, was zu einem weiteren Muskelabbau führt.

Dieser Spirale ist man jedoch nicht hoffnungslos ausgeliefert:

Durch ein moderates Kraft- und Gleichgewichtstraining kann eine Verbesserung der funktionellen Beinkraft, der Balance sowie der Mobilität erreicht werden. Begleitend hilft eine eiweißreiche Mischkost, die tägliche Proteinzufuhr sollte hier bei 50 – 75 g liegen. Daneben sollte die Vitamin-D-Versorgung gesichert sein; ein täglicher Aufenthalt im Freien sowie regelmäßiger Fischverzehr helfen hier zusätzlich.

Zusammengefasst spielen eine körperliche Aktivität sowie eine Überprüfung des Ernährungsverhaltens die zentrale Rolle zur Vorbeugung der Gebrechlichkeit im Alter.

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