Der menschliche Körperaufbau mit seinen Funktionen und Bewegungsabläufen ist in genialer Art und Weise konstruiert. Dies wird oftmals für selbstverständlich gesehen und erhält keine weitere Beachtung. Bis der Fall eintritt, dass wir erkranken, Körperteile nicht mehr „funktionieren“ wie sie sollten oder womöglich Gliedmaßen aufgrund einer Amputation fehlen.
Eine Amputation ist zweifellos ein schwerer Schicksalsschlag, mit dem wir gezwungen sind, zurechtzukommen und zu leben. Der Bau von Prothesen spielt hierbei eine große Rolle und leistet einen entscheidenden Beitrag, uns wieder aufzuraffen und unsere Lebensfreunde zurückzugewinnen. Die Möglichkeiten der Versorgung auf diesem Gebiet sind im Sanitätshaus Tingelhoff außerordentlich vielfältig und innovativ. Um Ihnen die Arbeit der Orthopädietechnik in unserem Hause näher zu bringen, möchten wir auf die einzelnen Schritte der Herstellung eingehen. Diese erläutern wir Ihnen am Bau einer Unterschenkelprothese.

Schritt 1: Patientengespräch
Zunächst führen wir ein persönliches Beratungsgespräch mit Ihnen, bei dem unsere Orthopädietechniker die verschiedenen Anwendungen, Möglichkeiten und Abläufe erläutern. So informieren wir Sie und klären Sie auf. Außerdem erfolgt eine Ersteinschätzung/Anamnese. Dabei findet eine Überprüfung Ihres Muskelstatus und Ihrer Gelenkbeweglichkeit statt. Dies ermöglicht die Feststellung Ihres Mobilitätsgrades (null bis vier), der sich beispielsweise nach Ihrem Körpergewicht, Alter, Ihrer Aktivität und weiteren Attributen richtet. Ziel des Gespräches ist es, Ihre Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren, um eine geeignete Prothese für Sie auszuwählen.
Dabei wird unterschieden zwischen einer Interims- und einer Definitivprothese. Ersteres kommt für sechs bis acht Monate nach der Amputation in Frage, um sich an eine Prothese zu gewöhnen. Zunächst wird eine vorläufige Prothese verwendet, da sich Ihre Stumpfverhältnisse (Zu- oder Abnahme des Stumpfvolumens) noch verändern. Die Übergangsprothese dient zum Üben des erstmaligen Stehens und Belastens. Eine Definitivprothese hingegen ist mit Ihren individuellen Bedürfnissen abgestimmt und der Schaft ist für eine ideale Passung optimiert.
Nach dem Beratungsgespräch und der Empfehlung des Sanitätshauses, erhalten Sie von Ihrem behandelnden Arzt ein Rezept für Ihre Prothese, das Sie dem Sanitätshaus vorlegen. Die Orthopädietechniker machen anschließend einen Kostenvoranschlag und übermitteln diesen an den zuständigen Kostenträger. Ihr Eigenanteil für die Versorgung beträgt als gesetzlich Krankenversicherter maximal zehn Euro. Erfolgt eine Genehmigung, beginnen unsere Orthopädietechniker, Ihre individuelle Prothese herzustellen.

Schritt 2: Modellanfertigung

Nach Erhalt der Genehmigung, modelliert der Orthopädietechniker einen Gipsabdruck Ihres Stumpfes. Davon wird Ihr Prothesenschaft geformt. Die verschiedenen Techniken der Schaftgestaltung erklärt Ihnen sorgfältig unser Fachpersonal. Die Passgenauigkeit des Schaftes ist von besonderer Bedeutung, da er die Form Ihres Stumpfes wiederspiegeln sollte, damit eine gute Druckverteilung und Dynamik sichergestellt ist. Für Ihr rundes und dynamisches Gangbild, erfolgt eine Abstimmung der Statik der Prothese mit Ihrem gesunden Bein.

Schritt 3: Tiefziehen

Der nächste Schritt der Herstellung ist das Tiefziehen.Dazu zieht der Techniker eine Klarsichtskunstoffplatte, die in einen Metallrahmen gespannt und schließlich erhitzt wird, über das Modell. Nach der Aushärtung, sägen sie das Ganze entlang des Randverlaufs ab und trennen es vom Modell. Das Anschrauben eines Adapters ermöglicht am Ende, einen Prothesenfuß anzubringen. Damit die Prothese einem echten Bein gleicht, verkleidet der Techniker diese gegebenenfalls kosmetisch. Die Herstellung einer Prothese dauert im Schnitt zwischen drei bis sieben Tage.

Schritt 4: Anprobe
Nun folgt einer der wichtigsten Schritte in der Herstellung, und zwar die Anprobe und Anpassung. Um die Passform zu überprüfen und gegebenenfalls Nachbesserungen durchzuführen, probieren Sie das Hilfsmittel aus. Unser Ziel ist, dass Sie sich beim Tragen Ihrer Prothese wohlfühlen. Dies ist der wichtigste Grundsatz, denn jedes Hilfsmittel sollte auf Sie abgestimmt werden und über eine ideale Passform verfügen. Im weiteren Verlauf ist eine starke Zusammenarbeit zwischen Orthopädietechnikern und Physiotherapeuten gefordert, um den Umgang mit dem Hilfsmittel zu üben. Beim Lauftraining korrigieren wir kleinere Unstimmigkeiten und optimieren Ihr Gangbild.

Neben der dargestellten Unterschenkelprothese, unterstützen Sie noch weitere Prothesenarten, wie Zehen- und Vorfußprothesen, Knieexartikulationsprothesen, Oberschenkelprothesen und Hüftexartikulatiosprothesen. Dabei kommt heutzutage vermehrt Elektronik zum Einsatz, die es ermöglicht, Ihre Gangphasen zu erkennen und somit Ihren Bewegungsablauf zu unterstützen. Für die oberen Extremitäten werden zum Beispiel Unterarmprothesen, Schulterexartikulationsprothesen oder Finger Epithetik verwendet. Beispiele der innovativen Technik sind die bekannte „Michelangelo Hand“ von Otto Bock und die „Bebionic“ von Bionic. Oder die „i-limb ultra“ der Firma Touch Bionics, um bloß einen Teil der Bandbreite zu nennen. Es besteht eine Vielfalt an Versorgungsmöglichkeiten, über das Sie das Fachpersonal des Sanitätshauses Tingelhoff gerne berät.

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