Der Hilfsmittelbegriff

Was ist ein Hilfsmittel? §31 SGB IX definiert als Hilfsmittel Gegenstände, die vom Nutzer getragen, mitgeführt und bei Wohnortwechsel mitgenommen werden können. Unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles sind diese erforderlich, um den Erfolg einer Heilbehandlung zu sichern und/oder eine Behinderung auszugleichen. Die Nutzung der Hilfsmittel kann durch professionelle Anwender, Laien und/oder Hilfspersonen erfolgen, die dadurch in die Lage versetzt werden, die beabsichtigten Ziele zu erreichen. Der Hilfsmittelbegriff selbst ist von den eingesetzten Mitteln und seinem Zweck geprägt. Es muss sich nicht zwangsläufig um ein Medizinprodukt handeln (z. B. kann das auch ein Blindenhund sein).

Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens: Ein allgemeiner Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens (z. B. Schuh) wird zum Hilfsmittel, wenn ein Produkt auf die speziellen Bedürfnisse kranker und behinderter Menschen entwickelt, hergestellt und überwiegend von diesem Personenkreis genutzt wird (z. B. orthopädischer Schuh).

Verordnung eines Hilfsmittels: Die Verordnung erfolgt durch eine/n Arzt/Ärztin. Er/Sie stellt das Rezept aus und legt die Produktart fest. In besonderen Fällen wird hier bereits ein konkretes Einzelprodukt benannt, wenn es medizinisch notwendig ist und entsprechend begründet wird. Ansonsten wird das konkrete Hilfsmittel im Rahmen einer Erprobung durch den Fachhandel festgelegt.

Das Hilfsmittelverzeichnis: Das Hilfsmittelverzeichnis ist eine systematische Auflistung der Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenkassen. Dies stellt eine Empfehlung dar und ist kein verbindlicher und/oder ausschließender Positivkatalog.

Wirtschaftlichkeit: Ein Hilfsmittel muss ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein. Bei der Krankenbehandlung ist immer die Funktionstauglichkeit und Sicherheit durch CE-Kennzeichnung nachzuweisen, dies gilt auch für den mittelbaren oder unmittelbaren Behinderungsausgleich.

Unmittelbarer Behinderungsausgleich: Möglichst weitgehender Ausgleich des Funktionsdefizits  durch z. B. Prothesen, Hörgeräte etc.

Mittelbarer Behinderungsausgleich: Basisausgleich der direkten oder indirekten Folgen der Behinderung durch z.B. Rollstuhl, Therapiestuhl, Orthesen etc. Ein allgemeines Grundbedürfnis des täglichen Lebens muss betroffen sein. Z. B. sich fortbewegen, sitzen, Schulbesuch etc.

Bemerkung: Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist der individuelle und alters- und bedarfsgerechte Aspekt beim Hilfsmittel zu berücksichtigen. Das beste Hilfsmittel ist dasjenige, welches von allen Beteiligten akzeptiert und im Sinne der Verordnung und des Therapiezieles im Alltag genutzt und angewandt wird.